Lernortkooperation

Von: Frank-Martin Clauß\IHK Mittlerer Niederrhein

Die Digitalisierung verändert die Arbeitswelt rasant: In der Industrie 4.0 werden Prozesse effizienter und es entstehen neue Geschäftsmodelle, Produktion, Wartung und Vertrieb verschmelzen mit der Informationstechnik. Künstliche Intelligenz ermöglicht sich selbst steuernde Fertigungsanlagen, in denen Maschinen und Roboter autonom lernen und miteinander oder mit Menschen interagieren. Ob Industrie, Handel, Handwerk, Landwirtschaft, Dienstleistung oder die Pflege – dieser Wandel hat Auswirkungen auf alle Branchen und Wirtschaftsbereiche und letztendlich auf die in der Ausbildung zu vermittelnden Qualifikationen.

Im dualen System der deutschen Berufsausbildung erfolgt die Ausbildung klassischerweise an unterschiedlichen Lernorten, die zur Erreichung des gemeinsamen Ausbildungsziels aufeinander angewiesen sind. Die Lernorte Betrieb und Berufsschule sollten miteinander kooperieren, um den Ausbildungserfolg zu gewährleisten. Wie Erfahrungen zeigen, führt eine gute Kooperation auch zur Effizienzsteigerung. Die Kooperation der Lernorte kann sich beziehen auf inhaltliche, organisatorische und pädagogische Fragen. Ziel der Ausbildung ist die Vermittlung von Handlungskompetenz, wozu die Lernorte auf je eigene Weise beitragen. Damit die Verzahnung der Inhalte gut gelingen kann, sind Kenntnisse des jeweils anderen Lernortes für Ausbilder und Lehrer wesentlich. In Abhängigkeit vom Ausbildungsberuf sowie den jeweiligen konkreten Bedingungen vor Ort ergeben sich unterschiedliche Anforderungen und Formen der Zusammenarbeit, ein einheitliches Muster für Lernortkooperation gibt es jedoch nicht.

Anzustreben ist sowohl eine Organisationsform der Berufsausbildung an den einzelnen Lernorten, insbesondere zur Optimierung der Anwesenheitszeiten der Auszubildenden im Betrieb, als auch die Sicherung einer Kommunikation zwischen Ausbildern und Berufsschullehrern. Die Kooperation ist von Ausbildern und Lehrern vor dem Hintergrund der jeweiligen besonderen Bedingungen gemeinsam zu entwickeln. Hierzu sollten an den einzelnen Lernorten entsprechende kooperations-fördernde Voraussetzungen geschaffen werden. Hier ist an die Entwicklung, Erprobung und Bereitstellung von didaktischen Hilfen und Elementen zu denken, die lernortübergreifende Sicht- und Vorgehensweisen fördern.

Ein zunehmend wichtiger werdender Aspekt ist vor dem Hintergrund zunehmender Spezialisierung der Unternehmen ein weiterer Lernort, die Verbundausbildung.  Welche Formen der Verbundausbildung sind üblich: Mehrere Betriebe stellen ein und tauschen phasenweise ihre Auszubildenden aus.

  1. Ein Unternehmen stellt ein und »verbündet« sich mit einem größeren Unternehmen, das Phasen der Ausbildung abnimmt.
  2. Ein Unternehmen verbündet sich mit einem Großbetrieb, dem phasenweise die Auszubildenden überstellt wird.

Jedes dieser Modelle hat seine Vor- und Nachteile. In jedem Falle aber entlastet eine Verbundausbildung das einzelne Unternehmen. Für einen alleine ist das zu teuer und große Weiterbildungsinstitute gehen meist nicht auf Sonderwünsche ein, aber der Verbund kann helfen, sich auf individuelle Bedürfnisse einzustellen. Einzelne Ausbildungsabschnitte werden aus fachlichen Gründen oder wegen fehlender Kapazität an andere Betriebe oder Bildungsträger vergeben.

Der Lernortkooperation kommt zur Bewältigung der Anforderungen in der beruflichen Bildung besondere Bedeutung zu. Die enge Zusammenarbeit der beteiligten Lernorte trägt zur Sicherung einer modernen und zukunftsträchtigen Ausbildung bei.

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